Die Frau, die Göttin und der mystische Meissner - Marktspiegel v. 9. April 2006 |
Auf den Spuren von Indiana Jones: Wolfgang und Dennis Dovidat stellten kürzlich ihr Buch über das mögliche "Götter-Rätsel" auf dem Meißner vor. Die beiden Hoteliers und Autoren binden die Mystik ihrer Heimat bereits in ihr touristisches Programm ein. Jedes Wochenende schlüpft dann Wolfgang Dovidat in die Rolles des Göttersohns Hermodur und verkündet die Geschichte der Göttin Freya.
Witzenhausen (hpt). Atemlose Stille herrscht in dem abgedunkelten Raum in dem ich mich gemeinsam mit rund 20 Gästen des "Burghotels" befinde. Allein die wenigen Kerzen zaubern ein flackerndes Licht auf die verschwommen zu erkennenden Gesichter. Plötzlich schwingt mit einem Quietschen die Flügeltür des Raumes auf und altertümlich gewandet steht der Sohn des Odin, Hermodur, im Raum und verkündet die Lebensgeschichte der Göttin Freya, Mutter der Erde, Schöpferin des Lebens und Göttin der ewigen Liebe.
Hermodur blickt zurück in der Geschichte bis hin zur Entstehung der Erde, als die Elemente Wasser, Feuer und Luft miteinander ringen. Mit donnerdem Tonfall erklärt der Göttersohn die Entstehung des Meißners in unserer Region, dem heiligen Berg der Göttin Freya, der auf den gleichen Breitengrad liegt wie Stonehenge und die Externsteine. Nach weiteren Kunden über die Göttin Freya und ihren heiligen Berg vor unserer Haustür senkt Hermodur verschwörerisch die Stimme und flüstert: "Glauben heißt nicht wissen - und trotzdem versetzt der Glaube Berge. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die können wir uns nicht erklären...", sagt der Göttliche und nimmt seine Kapuze vom Haupt . Der Göttersohn entpuppt sich allerdings als Mensch. Versteckt unter dem Kostüm hat sich Hotelier Wolfgang Dovidat, der seinen Gästen seit kurzer Zeit ein "mystisch-romantisches Wochenende" in seinem Burghotel in Witzenhausen anbietet.
Gleichzeitig ziehen Helfer die Gardinen auf, und das Sonnenlicht findet den Weg in den vormals düsteren Raum. Die Gäste, inklusive des Autors, noch immer versunken in derSagenwelt der Göttin Freya, schaut noch ganz verträumt drein und malt sich die sagenhaften Wirkungsorte auf dem Meißner aus. Auch Göttin Freya ist nicht völlig von der Bildfläche verschwunden, als Märchengestalt der Frau Holle hat sie bis heute überlebt, erklärt Wolfgang Dovidat.
Gemeinsam mit Sohn Dennis ging er dem Mythos "Frau Holle" auf dem Grund und suchte auf dem Meißner nach Spuren der Frau Holle und der Göttin Freya. Auf dem Hausberg des Kreises wurden die beiden Witzenhäuser Hoteliers fündig und fügten ihre gesammelten Eindrücke, alte Sagen und recherchierte Informationen in einem Buch zusammen. Das Druckwerk ist ab sofort bei den beiden Nachwuchsschriftstellern zu erstehen. Auf 151 Seiten haben die Autoren die Sagen um die Göttin Freya, das Märchen um Frau Holle und die mystischen Orte des Meißners in Einklang gebracht. "Wir sind keine Wissenschaftler, wir recherchieren und stellen Fakten zusammen, ein Stück Interpretation ist selbstverständlich dabei und diese verlangen wir auch unseren Lesern ab", erklärt das Autorenduo.
Zu den mystischen Orten der Göttin Freya/Frau Holle zählen die Forscher den Frau Holle Teich, die Kitzkammer und den Hohlstein (Kammerbacher Höhle). Damit widersprechen Dovidats nicht den Geschichtswissenschaftlern des Kreises Dr. Karl Kollmann und Dr. Sippel vom Staatsarchiv Marburg. Dennis und Wolfgang Dovidat haben zwar nicht wissenschaftlich fundiert, doch dafür fleißig und nachvollziehbar viele Fakten aneinander gereiht, die eine spannende Lektüre ergeben. Bildlich dargestellt und ausführlich erklärt werden im Buch Relikte aus vorchristlicher Zeit, die noch in und um den Meißner zu finden sind und noch heute scheinbar benutzt werden. Davon zeugen beispielsweise Blumenopfer vor der Kammerbacher Höhle oder anderen Kultstätten der Region. Weiße Magie scheint diese einstigen Kultplätze zu umgeben.
Strittig unter den Wissenschaftlern ist allerdings die These eines germanischen Kultplatzes auf dem Meißner. Auf diesen noch heute deutlich zu erkennenden Überresten soll nach Darstellung des Autorenduos eine riesige Tempelanlage gestanden haben.
Betrachtet man sich die wie mit dem Lineal gezogenen Mauern, die genaue Ausrichtung nach Osten, die Terrassen sowie den kerzengerade auf den Berg führenden Treppenaufgang, der auf einem runden Platz mit einem großen Steintisch in seiner Mitte endet, so kann sich der Betrachter der These von Dennis und Wolfgang Dovidat kaum entziehen. Die Erklärung der Wissenschaft, hier wäre Anfang des 19. Jahrhunderts ein Forstgarten unterhalten worden, in dem Bäume angezüchtet wurden, scheint da allerdings auch wenig plausibel.
Hier soll aber in naher Zukunft ein klärendes Gespräch zwischen Wissenschaftlern und dem Autorenduo Klarheit bringen. Stellt sich dann heraus, dass hier wirklich eine Tempelanlage stand, wäre dies wissenschaftlich wie auch touristisch betrachtet eine Sensation.
Das Buch "Frau Holle Land - Das Götter-Rätsel am Hohen Meißner" ist für 9,95 Euro im Selbstverlag erschienen und bei den beiden Autoren Dennis und Wolfgang Dovidat zu erstehen. Mehr Informationen auch unter "www.konsulat-frau-holle.de" oder unter 05542/2506.
Zuletzt geändert am: 01.09.2009 um 18:16
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